Der Baugrund im Heilbronner Raum ist geprägt von den quartären Ablagerungen des Neckars und den darunter anstehenden Gesteinen des Keupers. Gerade im Stadtgebiet zwischen Klingenberg und dem Industriegebiet am Neckar stoßen wir auf stark wechselnde Schichten: Kiese, Tone und nicht selten anthropogene Auffüllungen aus der Wiederaufbauzeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Eine Schürfgrube ist hier das präziseste Mittel, um ein ungestörtes Bodenprofil zu gewinnen und die tatsächliche Lagerungsdichte sowie den Schichtenverlauf zu dokumentieren. Anders als bei reinen Rammverfahren können wir die freigelegte Grubenwand direkt geotechnisch ansprechen, Schichtwechsel millimetergenau einmessen und gestörte sowie ungestörte Proben aus definierten Horizonten entnehmen. In Kombination mit einem SPT-Bohrung zur Ermittlung von Lagerungsdichten in größeren Tiefen erhalten Sie ein belastbares Modell des Untergrunds, das die Grundlage für jede wirtschaftliche Gründung bildet.
Eine fachgerecht angelegte Schürfgrube liefert mehr Informationen über das tatsächliche Baugrundverhalten als drei indirekte Sondierungen zusammen.
Methodik und Umfang
Standortspezifische Faktoren
Die Stadtentwicklung Heilbronns, insbesondere der rasante Wiederaufbau nach den schweren Zerstörungen 1944/45 und die Konversion ehemaliger Bahn- und Industrieflächen, hat zu einem Mosaik aus gewachsenem Boden und anthropogenen Auffüllungen geführt, das ohne direkten Aufschluss kaum zu entschlüsseln ist. Gerade im Bereich der Bahnhofsvorstadt und entlang der Neckarauen finden sich oft mehrere Meter mächtige Schichten aus Bauschutt, Schlacke und umgelagertem Material, deren Setzungsverhalten und Tragfähigkeit stark streuen. Ein Gründungsrisiko, das sich mit einem reinen Drucksondierungsprogramm nicht sicher abbilden lässt. Die Schürfgrube erlaubt es, den heterogenen Aufbau dieser Auffüllungen im Detail zu studieren, Hohlräume, Fremdbestandteile und die Verdichtungsfähigkeit direkt zu beurteilen. Wer hier auf die direkte Ansprache verzichtet, riskiert unvorhergesehene Setzungsschäden, die bei den oft sensiblen Bauten in Blockrandbebauung schnell existenzbedrohend für das Gesamtprojekt werden.
Normativer Rahmen
DIN 4021:1990-10 – Baugrund; Aufschluss durch Schürfe und Bohrungen, DIN EN ISO 14688-1 – Geotechnische Erkundung und Untersuchung – Benennung, Beschreibung und Klassifizierung von Boden, DIN EN ISO 14689 – Geotechnische Erkundung und Untersuchung – Benennung, Beschreibung und Klassifizierung von Fels, DIN 4023 – Geotechnische Erkundung und Untersuchung – Zeichnerische Darstellung der Ergebnisse von Bohrungen und sonstigen direkten Aufschlüssen, DIN 4124 – Baugruben und Gräben – Böschungen, Verbau, Arbeitsraumbreiten
Verwandte Dienstleistungen
Schürfgrube mit Lastplattendruckversuch
Direkt in der Grubensohle führen wir statische Lastplattendruckversuche nach DIN 18134 durch. So erhalten Sie aus ein und demselben Aufschluss sowohl das Schichtenprofil als auch den Verformungsmodul Ev2 für die Bemessung von Flachgründungen.
Schürfgrube mit Probenahme für Triaxialversuche
Aus den ungestörten Zylinderproben, die wir aus der Schürfgrubenwand entnehmen, bestimmen wir im Labor die effektiven Scherparameter (ϕ‘, c‘) unter konsolidierten, drainierten Bedingungen. Unverzichtbar für die Standsicherheit tiefer Baugruben in Heilbronn.
Schürfgrube mit Durchlässigkeitsversuch
In der Schürfgrube bauen wir einen Versickerungsversuch nach USBR Earth Manual oder einen Auffüllversuch ein, um den kf-Wert der anstehenden Neckarkiese oder der aufgefüllten Horizonte zuverlässig zu ermitteln.
Typische Parameter
Häufige Fragen
Wann ist eine Schürfgrube in Heilbronn einer Bohrung vorzuziehen?
Immer dann, wenn die Schichtenfolge stark heterogen ist und eine detaillierte visuelle Ansprache erfordert. In Heilbronn betrifft das vor allem die häufig anzutreffenden anthropogenen Auffüllungen aus der Nachkriegszeit und die makrogefügeabhängigen Keuperverwitterungsböden. Die Schürfgrube liefert hier eine vollflächige Wandansprache, die kein Bohrverfahren in dieser Qualität erreicht.
Bis zu welcher Tiefe können Sie eine Schürfgrube ausführen?
Unsere Standard-Schürfgruben reichen bis 3,0 m Tiefe, in offener Böschung nach DIN 4124. Mit geböschtem oder verbautem Arbeitsraum sind Tiefen bis 5,0 m möglich, wobei in Heilbronn die Grundwasserstände im Neckartal oft die Grenze setzen – wir prüfen das vorab anhand der hydrogeologischen Karten des LGRB.
Mit welchen Kosten muss ich für eine Schürfgrube in Heilbronn rechnen?
Für eine maschinell ausgehobene und geotechnisch dokumentierte Schürfgrube mit Probenahme und Standardprotokoll liegt der Aufwand in Heilbronn üblicherweise zwischen €400 und €680, abhängig von Tiefe, Verbauaufwand und Anzahl der Proben.
Wie lange dauert die Ausführung einer Schürfgrube vor Ort?
Die reine Feldarbeit für eine Schürfgrube mit Probenahme und vollständiger Dokumentation dauert in der Regel einen Arbeitstag. Bei mehreren Aufschlüssen oder aufwändigerem Verbau – etwa in beengten Innenstadtbereichen Heilbronns – planen wir zwei Werktage ein.
Welche Bodenproben können Sie aus der Schürfgrube entnehmen?
Wir entnehmen gestörte Proben für Klassifikationsversuche sowie ungestörte Zylinderproben mit Durchmessern von 80 bis 100 mm direkt aus der geglätteten Grubenwand. Diese Proben sind geeignet für Triaxialversuche, Kompressionsversuche und Durchlässigkeitsbestimmungen nach DIN 18130.
